Ausgabe 38: Herbst / Winter 2018

Schöne Orte im nahen Süden

Im Jahr 2002 wurde in Italien die Vereinigung Borghi piu belli d`Italia gegründet. In diesem Club mit dem wohlklingenden Namen versammeln sich die schönsten Orte Italiens. Und einer wird alljährlich zum Borgo dei Borghi gekürt.

 

Deren Markenzeichen ist die authentische Instandhaltung alter Dörfer, Ortsteile oder Festungsstädte. Der Begriff Borgo steht für Weiler oder Vorort. Doch der Begriff ist dehnbar, denn historische Städtchen wie Soave oder Venzone kann man ja weder als Weiler noch als Vorort bezeichnen. Wie auch immer: ein Blick zum Nachbarn in Friaul-Julisch Venetien lohnt sich. Denn die Region ist in der Vereinigung der Schönsten unter den Schönen gleich mit elf Orten vertreten.

 

Elf Orte in Friaul-Julisch Venetien
In der Liste der elf Auserwählten finden sich zwischen Karnischen Alpen und Adria u. a. Orte wie das seit Dezember 2017 zu Friaul gehörende Sappada vecchia/Plodn. Bekannt sind Venzone, Gradisca d´Isonzo, Valvasone, Sesto al Reghena und Fagagna. An und in den südlichen Ausläufern der Alpen finden sich im Westen der Region Dörfer wie Toppo, Poffabro oder Polcenigo. Im Zentralraum liegen Cordovado und Clauiano.

 

Toppo, Poffabro, Venzone
Allen Orten hier einen Besuch abzustatten würde unseren Rahmen sprengen. Doch in den Dörfern zwischen Ebene und Bergen wollen wir vorbeischauen. Vor allem die Dörfer im Westen sind auf ihre einfache Art sehenswert. Dort gibt es keinen Dom, kein Castello und kein Museum, doch das Dorf selbst vermittelt dem Besucher eine entspannte Zeitreise. In Toppo bei Travesio finden wir zwei T-förmig zueinander verlaufende Straßen mit restaurierten alten Häusern und dem Palazzo Wasserman(n). Östlich des Zentrums steht die Chiesa San Lorenzo, und nördlich des Ortes steht weithin sichtbar das Castello.

 

Viele historische Häuser
Ursprünglich einfach sind die folgenden drei Dörfer: Nördlich von Meduno biegt man nach etwa 3 km Richtung Westen ins Dorf Navaròns und ins Val Colvera ab. Und ganz plötzlich fühlt man sich in die 1950er-Jahre zurückversetzt. Navaròns ist kein Mitglied bei den Borghi piu belli, aber ein lohnendes Ziel. Ebenso das etwa 8 km westlich und tief im Tal drinnen liegende Frisanco mit dem Sitz der Comune. Der Star im Tal ist aber Poffabro. Das liegt gut 6 km nördlich der Messerstadt Maniago und auf nur 450 Meter Seehöhe. Trotzdem meint man hier in einem Alpendorf zu sein. Historische Häuser wurden authentisch restauriert. Eine Piazza mit Ausblick über das Tal und das Dorf sind der gerechte Lohn für die Anreise. Ihre Krönung erfährt die mit einem Spaziergang durch Poffabro. Es gibt auch eine Osteria mit typischen Friauler Gerichten. Die Rückfahrt sollte über Maniago erfolgen. Die Straße dorthin führt sicher durch eine Schlucht und einen langen Tunnel hinaus in die Ebene.

 

Venzone: Borgo dei Borghi d´Italia 2018
Die mittelalterliche Stadt am Tagliamento trug im Vorjahr den Ehrentitel Borgo dei Borghi d´Italia. Wer glaubt, alle Sehenswürdigkeiten der Stadt zu kennen, für die/den habe ich draußen vor den Mauern drei Tipps. Nur wenige Kilometer nördlich liegt das Dorf Pórtis mit einem morbiden Ortsteil nahe dem Fluss. Von dort lassen sich beizeiten oben an den Felswänden wunderbar die Geier beobachten. Fährt man von Venzone über den Tagliamento nach Pioverno ans rechte Ufer, so finden sich dort Richtung Norden ein schattiger Radweg, der irgendwann nach Tolmezzo führen soll, und im Fluss ein Bunker aus dem Kalten Krieg. Nähere Infos zu den Borghi: www.borghipiubelliditalia.it

 

Text und Fotos: Hans Messner